A/N: "Prophet Motive" (Cloudrun 2.04)


Ein paar Anmerkungen und Randnotizen zum 4. Kapitel von Cloudrun 2. Unnötig zu erwähnen: [Spoiler]

Uah, »Prophet Motive«. Das letzte Kapitel war sehr unkompliziert zu machen – das hier war der Ausgleich.

Wenn man früh genug weiß, dass die Handlung eine bestimmte Etappe nehmen wird, sammeln sich meistens Ideen an, während man darauf zu schreibt. Man sollte also meinen, dass sich in den eineinhalb Jahren seit dem Ende von Skies einiges zur Kernwacht-Station hätte stapeln müssen. Stattdessen stand ich vor einem ziemlichen Mangel an Ideen. Das Kapitel war im Gesamt-Plot ein recht leeres Blatt, das heißt, ich konnte zwar alles Mögliche drauf zeichnen, hatte aber auch kein sonderlich interessantes Problem zu lösen. Immer blöd, für mich jedenfalls.

Ich hab dann bei Bion angefangen, weil ich über sie schon einiges wusste. Der Endpunkt, den ich noch aus den letzten Tagen von Skies hatte, war Bions Ankunft auf der Cloudrun, bei welcher der Flammkäfer aus 1×12 auf ihrer Hand landen sollte und man eben sieht, »Hey, sie war schon einmal hier und es ist ihr Garten«. Deshalb hab ich den Käfer in 2×03 auch nochmal bei Delfy vorbeigeschickt. Die Kapitel erscheinen ja bestenfalls im Monatsrhythmus, also versuche ich immer, nochmal an Dinge zu erinnern, kurz bevor sie wieder wichtig werden.

Von Bion als »religiöse Fanatikerin« ausgehend hab ich sie die Kernwacht-Station in einen Tempel verwandeln lassen, zum einen, um die Verbindung zur Cloudrun zu schaffen, zum anderen, um dem Kapitel eine Mystery-Throughline zu geben. (»Warum die Funksprüche? Warum keine Schwerkraft? Warum dieses Zeug in der Luft?«) Dass zwei Charaktere auf einem toten Schiff oder einer toten Station landen und herausfinden müssen, was hier passiert ist, ist natürlich ein uralter Sci-Fi-Plot. Speziell einstündige TV-Serien, also z.B. Trek oder Doctor Who, schicken gerne ihr etabliertes Story-Personal auf eine Stand-Alone-Mystery-Action-Außenmission. Was ich leider immer wieder vergesse: Cloudrun kann mit seiner regulären Kapitellänge einfach nicht den Inhalt eines einstündigen Dramas rüberbringen. Selbst mit (wie hier) doppeltem Umfang nicht.

Ich hab’ ernsthaft versucht, unnötigen Kram wegzuschneiden: Wir eröffnen nicht schon im Hyperraum, sondern erst bei der Flucht von der Korvette. Und am Ende reisen wir nicht noch zur Cloudrun, wie ich erst gedacht hatte, sondern schließen schon auf der Station. Weil jeder Charakter den Wordcount erhöht, arbeitet das Kapitel nur mit den drei Figuren, die es absolut braucht. Und viele der Mystery-üblichen Überlegungen auf Seiten von Via und Janus, was denn auf der Station passiert sein könnte, hatte ich im ersten Script noch dabei, um sie dann aber zu kürzen.

Der klassischen Faustregel folgend hab ich versucht, alles direkte Charaktermaterial drin zu lassen: Ihr Spacejump-Gespräch darüber, dass keiner von ihnen wirklich gewertschätzt wurde. Janus’ Monolog über das Große Dunkel. Das Gespräch über Planeten. Und offensichtlich das Wichtigste im ganzen Kapitel, Vias Monolog über ihre Rolle für ihren Vater. Zusammen mit dem Abschlussdialog über Erfindungsreichtum und Macht der Natur waren das auch die beiden Sachen, die ich zuerst runtergetippt hab, in Dialogform, bevor ich irgendwas anderes für das Kapitel geschrieben habe.

Ich glaube, als Folge ist es etwas überladen. Und es leidet vielleicht unter dem klassischen Story-Problem, dass man in eine Leben-und-Tod-Situation nur schwer noch Dinge reinbringen kann, die nicht unmittelbar mit dem eigenen Überleben zusammenhängen. Wir sehen erstmals was von Vias Fähigkeiten, und wir sehen, dass sie mit Angst umgehen kann, wo z.B. Delfy einfach keine hat. Via als Charakter hat hier aber eventuell ein wenig Schwierigkeiten, sich gegen Janus zu behaupten und in Bions Einführung nicht unterzugehen, bzw. zu einem Stichwortgeber für beide zu verkommen. Und der Plot (»Bion von der Kernwacht holen«) betrifft sie nicht persönlich. »Prophet Motive« ist daher nicht genau so sehr um seinen POV-Charakter herum aufgebaut wie die bisherigen Kapitel von Empires. Das definitive Via-Kapitel liegt also hoffentlich noch vor uns!

TRIVIA

  • Produktionsnotizen: Das 16. Kapitel der Reihe und das erste aus Vias POV. Sie ist in Empires vorher nur in der Traumsequenz von 2×02 kurz aufgetaucht. Das Kapitel hat nur drei Figuren und teilt sich diesen Rekord mit 1×09. Ärgerlicher Rekord: Bisher das mit Abstand längste Kapitel. Etwas positiver: Erster wirklicher Auftritt von Bion. Erster Besuch auf einer Raumstation. Kalis Korvette wird zerstört, nach zwölf Kapiteln (1×04).
  • Ich kenne das Wortspiel »Prophet Motive« aus einem Arc der Star Wars: KotOR Comics, es gibt aber auch eine Star Trek DS9 Episode (mit den Ferengi, offensichtlich), und woher der Gag ursprünglich kommt, weiß ich nicht.
  • Das Kapitel ist extrem Sci-Fi-lastig. Raumanzüge, Schwerelosigkeit, Kernwellen, Gerede über Kapselbotschaften und Hyperraumrouten… Irgendwo unvermeidlich, denn: Die Geschichte spielt ja momentan fast ausschließlich auf Schiffen und Raumstationen. Auf der anderen Seite kommt man sich aber leicht komisch vor, wenn man zu sehr ins Pseudo-Wissenschaftliche abdriftet, denn… Ich meine, wir haben nach wie vor Schall im Weltraum. Ich hab übrigens beschlossen, dass man Laser und Antriebe hört (wegen, uh, Mikro-Druckwellen?), aber keine Stimmen.
  • Traditionell macht Star Wars keinen großen Wirbel darum, ob eine Szene nun im All spielt oder nicht. Die Handlung der sechs Filme würde theoretisch auch erdgebunden funktionieren. Der Weltraum ist kein Charakter in der Geschichte. In Cloudrun ist er dagegen ein Gott, wie’s aussieht. Weil ich es prinzipiell übertreibe. Aber wie dem auch sei, Andor Hokulanis Gebet über die Leere ist tatsächlich nicht nur atmosphärisches Gebrabbel.
  • »Machen Sie sich darauf gefasst, dass wir nicht sterben.« => Killer-Spaceborn-Schlange kommt aus der Tür geschossen. Platt, ich weiß. Es hat mich aufgemuntert.
  • Kein Fan davon, Janus schein-zu-töten. Ich löse es eine halbe Szene später wieder auf – versuche also, nicht mehr aus dem Ganzen herauszumogeln, als drin ist. Und es war wichtig, um das Kapitel für Via zu einem Tiefpunkt zu bringen. Trotzdem ist sowas immer etwas… Meh. Lässt eine Geschichte sehr zahm wirken.
  • In meiner allerersten SW Fanfiction sind die Charaktere am Ende mit einem versteckten Yuuzhan Vong Schiff von einem sterbenden Mond entkommen. Huh.

Ich hatte überlegt, das Kapitel in zwei zu teilen, aber:

  • Dann hätten wir zwei Zweiteiler nacheinander.
  • Nach einem Monat hätte man einiges Setup aus der ersten Hälfte (Wie tötet man einen Gott, die Krankheit von Vias Vater, Janus’ Hass auf die Yuuzhan Vong) wieder vergessen und ich hätte es neu etablieren müssen, ebenso wie die Gesamtsituation selbst (Countdown zur Kernwelle, Rettungsmission,…).
  • Ich wollte Janus’ Scheintod nicht über einen Monat hinwegziehen. Ein paar Minuten sind mehr als genug, weil es eh niemand glaubt und auch nicht glauben sollte.
  • Das Kapitel war immer als Hin-und-wieder-zurück-Mission gedacht, mit eigenem Anfang und Ende, und ich wollte nicht zwei Monate von der Cloudrun weg sein, kaum, dass ich die Handlung dort wieder angeworfen hab.