A/N: „Slave One“ (Cloudrun 2.05)


Ein paar Anmerkungen und Randnotizen zum 5. Kapitel von Cloudrun 2. Unnötig zu erwähnen: [Spoiler]

Wann immer ich kann, möchte ich mit einem Beispiel meiner eigenen Planlosigkeit beginnen: Ich glaube, der Titel »Slave One« tauchte in irgendeiner drei Jahre alten Kapitelliste schonmal auf – denn ursprünglich wäre das fünfte oder sechste Kapitel von Skies/Ruins der erste One-POV geworden. Und ich hatte eine Hälfte schon geschrieben. Und sie war für sich genommen okay, führte aber vom roten Faden von Skies weg und war eher ein Gedankenspiel für zwischendurch, weshalb ich nichts davon wiederverwertet hab. Nur wenn man sich das Thema ansieht – ein Charakter sprengt seine Ketten -, dann merkt man nach wie vor, dass das Kapitel vom Konzept her mehr nach Skies gehört als nach Empires.

Die Schwierigkeit mit solchen etwas abstrakteren Kapiteln ist für mich immer, dem ganzen Zirkus noch irgendein Ziel und irgendeinen Konflikt zu geben. Es kann nicht bloß „Innenansicht“, und „Flashback“ und „Hier ist, was One in einer Zehntelsekunde alles kann” sein – obwohl diese Dinge diesmal sehr viel wichtiger sind als der Plot des Kapitels. Für letzteren hatte ich ursprünglich nur an „One versucht aufzuwachen“ und „One versucht, die Sklavenprogrammierung zu überwinden“ gedacht, mit „One muss seine Schuld an Themis’ Quasi-Tod verarbeiten“ als Character Arc. Aber die Sache mit den Flüchtlingen macht alles etwas dringender und anschaulicher, auch wenn es vermutlich nicht genug ist, um über ein derart langes Kapitel hinweg durchgehend Spannung zu halten. Huh.

Die Frage, wie One denn nun das Sklavenprotokoll austrickst, hatte ich seit «Mind Screw” im Hinterkopf – war aber offenbar nicht fähig, in über einem Jahr eine gute Lösung zu finden. Ich hatte überlegt, den „Slave One“ als greifbaren (und damit angreifbaren) Antagonisten einzusetzen, aber das hätte das Kapitel sehr klassisch gemacht, Mann gegen Mann eben. Einen Reset hatte ich nur sehr kurz angedacht, weil ich nicht mehrere Jahrzehnte Charakterisierung löschen wollte. Dass ihn jemand von außen umschreibt, wie im Kapitel vorgeschlagen, wäre die aller-logischste Lösung, aber 1) hätte ich nur dafür neuen Charakter etablieren müssen, der das kann, und 2) macht es One komplett passiv. Was nicht geht.

Deshalb… Die leicht wahnsinnige Lösung. Ich selbst mag’s, sonst wäre ich den Weg nicht gegangen, aber ich mag’s vor allem thematisch (Träume sind auf ihre Art echt und können Fluchtweg und Spielplatz sein) und ich mag’s von Ones Entscheidung her: Ein von Fröhlichkeit besessener, herzensguter Droide kann seine Umwelt nur vor sich schützen, indem er allen Schaden stattdessen in sich selbst anrichtet. Die Entscheidung hätte mehr Gewicht, wenn das hier nicht Ones erstes Kapitel wäre, und One für mehr als drei Skies-Kapitel hätte wach sein können. Es nützt nichts. Es ist eine Ensemble-Geschichte, mit begrenzt viel Zeit für jeden einzelnen Charakter – aber im Ausgleich dafür bekommen wir die Parallelen zwischen ihnen zu sehen (auch Delfy z.B. macht seit Kapiteln nichts anderes als ihr eigenes Seelenheil für die Galaxis zu geben – nur dass sie die Galaxis gleich mit opfert).

Schließlich der Elefant im Raum… R2-D2. Wie genau das nun alles funktioniert und abgelaufen ist, wo R2 endet und One anfängt… Sehen wir hoffentlich mit der Zeit. (Es sei nochmal auf meine eingangs angesprochene Planlosigkeit verwiesen.) Aber klar, ich hab damals überlegt, wie viel direkten Bezug zur klassischen Film-Ära ich aufbauen darf, ohne dass es erzwungen wirkt, oder die achthundert Jahre nach nur einer Woche aussehen lässt, etc. Vor dem Start von Cloudrun hatte ich all die naheliegenden Ideen, also einen Charakter aus OT-Zeiten in der veränderten Galaxis aufwachen zu lassen und als Ankerpunkt für den Lese-Einstieg zu nehmen… Ich hab überlegt, ob wir bestimmte Machtgeister sehen könnten, aber das hat sich mit dem Monster etwas verkompliziert… Und am Ende hab ich die eine Freikarte gespielt, die ich mir selbst erlaubt habe – und gesagt, ich hole R2-D2. Irgendwie wissen wir doch alle, dass er die Geschichte der Galaxis bis ganz zum Ende begleitet.

 

TRIVIA

  • Produktionsnotizen: Das 17. Kapitel der Reihe und das erste aus dem POV von L1-E12. Erstes Mal, dass ich im POV-Titel gelogen habe (öchem). Und – Trommelwirbel – erster Quasi-Auftritt eines Charakters aus dem SW-Canon. Zweiter Mini-Trommelwirbel: Mit diesem Kapitel ist Cloudrun über 100.000 Wörter lang. Nicht viel für dreieinhalb Jahre, aber… Ich schreibe selten auf Tempo. Und abwechselnd an verschiedenen Sachen. Will heißen: Hey.
  • Als das Fanfiction-Projekt »Raumschiffe und Fahrzeuge« noch in Bewegung war, hatte ich größenwahnsinnigerweise erklärt, ebenfalls eine Geschichte beisteuern zu wollen. Sie hieß »Binary« (nach der hier angesprochenen Droidensprache) und hätte sich um ein intelligentes Droidenkontrollschiff der Handelsförderation gedreht. Ich hatte einiges an Kram geplottet, kam dann aber nicht weiter, weil ich wusste, »Slave One« würde in die gleiche Richtung gehen – und ich wollte mir nicht selbst auf die Füße treten bzw. mich wiederholen. Anfängerfehler meinerseits: Zwei parallele Geschichten bzw. Kapitel mit ähnlichen Konzepten… Meh.
  • Die panische One-Projektion in Akt 3 des Kapitels ist der zu neuem Leben erweckte C-3PO. Ich hab immer wieder vor und zurück dran gebastelt, weil ich Angst hatte, man merkt es schon beim ersten Lesen und vor dem Ende des Kapitels. Aber die herzerwärmende Idee ist, dass One seinen rettenden Einfall mit Hilfe eines alten Freundes bekommt.
  • Für ein oder zwei Tage gab es eine Szene mit Luke. Dann musste ich sie rausnehmen.