1.01 Broken


Als er in den Quartieren eintraf, begegnete er Trent. Lilafarbene Flecken zierten die grüne Haut des Rodianers, unverkennbare Spuren von Betäubungsschüssen. Doch er war am Leben, im Gegensatz zu Taylee, Trents bester Freundin unter den Sklaven.

»Es tut mir Leid«, sagte Ben und glaubte, dass er log. Er sollte es bedauern, genau wie er den Tod der Nautolanerin bedauern sollte, und sich selbst hassen, aber… Das Gefühl war nicht da. Er war leer. Und sowieso hatte er keine Zeit für Schwäche. »Wo ist Navvo?«

»Keine Ahnung«, gab Trent zurück. »In irgendeiner Cantina. In der nächstbesten Risslestick-Höhle. Was weiß ich.«

Ben nickte und machte sich auf den Weg zu seinem Zimmer. Da draußen würde er Navvo nicht finden, nicht auf einem Asteroiden, den er kaum kannte. Er musste warten, bis der Toydarianer zurückkam. Und hoffen, dass die Zeit dafür reichte.

Er öffnete die Tür und trat ein.

Auf dem Bett saß der Schattenmann.

Mehrere Herzschläge lang konnte Ben sich weder bewegen, noch klar denken. Wie hatte der Schatten hier hereingelangen können, ohne dass die Wachen ihn gesehen hatten?

Der Mann hob eine Hand und hinter Ben schloss sich die Tür. Der Schatten war ein Midi. Irgendwie hatte Ben es gewusst, schon in der Arena, aber er hatte verzweifelt gehofft, dass es nicht so war.

Und langsam stieg eine Erinnerung in ihm auf. An halb zerstörte Holos aus einer Zeit lange vor seiner Geburt. An Schauergeschichten. Und an einen Namen, an den einzigen Lord des Valueen Königreichs, den die Raumfahrer auch dann nicht verfluchen würden, nachdem sie sich mit Risslesticks den Verstand weggepustet hatten.

Der Schattenlord stand auf und schien noch größer als in der Kanzel, bestimmt über zwei Meter. Er stieß fast an die Decke von Bens Kammer. Die graue Haut war geriffelt und um die schwarzen Augen herum rot gefärbt. Er hatte krallenartige, lange Finger. Ben hatte etwas wie ihn noch nie gesehen.

»Was wollen Sie von mir…?« Plötzlich hatte er Angst, mehr Angst, als er jemals im Dejarik-Zirkel gehabt hatte.

Der Schatten strich sich die Falten seines schlichten, blauen Gewands glatt. Er öffnete den Mund, ließ die Zähne eines Raubtiers zum Vorschein kommen, und als er schließlich sprach, klang seine Stimme wie ein tonloses Flüstern: »Mein Name ist Janus. Ich bin der Oberste Lord des Zwölferrats. Die Hand von Daphan Valueen, dem König der verbliebenen Galaxis.«

Janus. Bei den schwarzen Sternen. Janus war echt und er war hier!

»Ich… Ich bin nicht anders«, stammelte Ben. »Ich bin wie… Wie Trent. Und Taylee und… Was immer Sie von mir wollen, ich… bin nicht der Junge, den Sie suchen.«

Janus legte den Kopf schief und plötzlich zeriss die Kette, die Ben um seinen Hals trug. Der Anhänger flog aus dem Kragen der Jacke heraus in Janus’ Hand. Der Oberste Lord begutachtete ihn interessiert. »Du hattest ihn nicht um, als du gekämpft hast, Ben. Weil er dir wichtiger ist, als das Twi‘lek Mädchen.«

»Nein. Nein, ich… Ich konnte Taylee nicht retten… Sie ist gefallen und…«

Mit einem Mal bewegte sich Janus. Das Gesicht vor Wut verzerrt, schmetterte er den Anhänger zu Boden.

Der Anhänger stoppte. Einen Fingerbreit vor dem Ende.

Janus lächelte.

Ben ließ den Anhänger in seine Hand schweben, wo er ihn umklammerte. Vorsichtig sah er wieder zu Janus, der das Geheimnis des Tricksers spätestens jetzt erfahren hatte. »Warum sind Sie hier?«, flüsterte Ben.

»Ich bin hier, weil ich sehen wollte, welchen Regeln du folgst. Weil ich sehen wollte, was du tun würdest, um zu vertuschen, dass du das Blut eines Midis hast und dass du jeden Dejarik-Kämpfer in den Splitterwelten von Coruscant«, Janus holte Luft, »mit einer einzigen Handbewegung töten könnest. Einfach so. «

»Ich hab Taylee fallen lassen. Ich hätte sie hochziehen können. Aber dann hätten alle gewusst, dass… Also, hab‘ ich sie…«

»Und beim nächsten Mal wirst du es wieder tun. Weil du musst. Weil du immer nur so kämpfen darfst, dass niemand sieht, was du bist. Hast du das verstanden?«

Ben schüttelte den Kopf. »Warum bin ich so? Warum tut es mir nicht mal Leid, dass ich all diese…«

Janus glitt an ihm vorbei, öffnete die Tür und trat hindurch. »Weil dir das Gleiche passiert ist wie Coruscant«, sagte er leise. »Du bist zerbrochen.«

Fortsetzung folgt …