2.01 The Man in the Moon


»Als die Hand eines greisen Königs…«

— Devidiya

Kali

Ein Schwarm fremdartiger Geschöpfe löste sich von der Schattenseite eines Asteroiden. Wie Tiefseekraken schwammen sie durch die Schwärze des Alls, öffneten und schlossen dabei ihre metallischen Arme in rhythmischen Bewegungen. Mit der Zeit teilte sich der Schwarm, zuerst in kleinere Gruppen, dann in Paare, ehe jeder Droide sich allein seinen Weg suchte.

Auch dann noch kreuzten sie die Routen gewaltiger Raumfrachter, ohne zu zögern. Waffenstarrende Söldnerschiffe fuhren ihre Triebwerke herunter, deaktivierten die Geschütze, und manche löschten sogar die Lichter, als könnten sie so den Photorezeptoren entgehen. Wohin die Scheinwerfer der Suchdroiden auch strahlten, erstarrte der Abschaum der Galaxis zu Eis.

Schließlich entdeckte einer der Droiden die schlafende Frau, die schwerelos durch das All trieb. Silberne Haare umflossen ein bleiches Gesicht, das jung und alt zugleich wirkte. Energieschellen fesselten ihre Hände. Der Droide schwamm über sie, öffnete seinen Kreis von Greifarmen und umklammerte den leblosen Körper. An der Spitze seines Kugelrumpfes erwachte ein goldenes Licht, ein Signalfeuer im All, heller als jeder Stern…

Kali riss die Augen auf.

Die Welt bestand aus grellen Farbflecken und einem Wirbel aus Luftblasen. Ihre strampelnden Füße fanden den Boden nicht. Ein Schlauch führte in ihren aufgezwungenen Mund. Als ihre Hände danach greifen wollten, hielt ein Netz von Fäden sie zurück.

Ein Tank… Ich bin in einem Bacta-Tank…

Eine Hand berührte die Scheibe. Auf der anderen Seite des Glases gaben die Lichtkleckse das Gesicht eines Mädchens frei. Dunkle Lippen auf hellgrauer Haut. Kali kannte sie…

Devi.

Meine letzte Schwester.

Die Frau hinter dem Glas lächelte.

Irgendwann öffnete Kali erneut die Augen.

Unter ihr summten und arbeiteten die Innereien eines Medi-Betts. Über ihr strahlte ein Scheinwerfer heller als jede Sonne.

Kali ächzte und wandte den Kopf ab. »Zu hell…« Die Stimme klang so kraftlos, dass es unmöglich die ihre sein konnte.

»Die Lichter aus«, befahl Devi. »Ihre Augen haben sich noch nicht ganz erholt.« Keine Sekunde später erfüllte wohlige Dunkelheit den Raum. Die Metallringe an Kalis Händen und Füßen öffneten sich.

Als Kali erstmals wieder ruhig atmete, entspannten sich ihre Muskeln. Doch der Hunger hatte nur darauf gewartet. Die stechende Leere breitete sich in Kalis Eingeweiden aus. Sie hatte zu lange kein Leben mehr getrunken und die Stunden im All hatten sie weiter geschwächt.

Kali stemmte ihren Oberkörper hoch. Als Devi sie stützen wollte, schob sie den Arm beiseite. »Wie lange habe ich geschlafen…«

»Zweihundert Jahre.«

Kali starrte sie an. Dann verzog sie das Gesicht. »So lange würde es brauchen, bis du endlich erwachsen wirst, ja.« Sie drehte sich und schwang die Beine über den Rand des Bettes. »Das hier ist wichtig. Wie lange, Devidiya?«

Devi rollte mit den Augen. »Dreiundzwanzig Standardtage. Sie haben dich früh stabilisiert – und sie hatten dich früh aufgesammelt: Du warst nicht länger als drei Stunden… da draußen. Sonst hätte es sehr viel schlimmer kommen können, selbst bei deinen Fähigkeiten.« Devi biss sich schuldbewusst auf die Lippen. »Ab dann haben wir dich schlafend gehalten, bis dein Körper sich erholt hatte.«

Kalis Finger zitterten. Wie ein schwarzes Loch schien der Hunger ihren Körper verschlingen zu wollen, von innen heraus, Zelle für Zelle. Er flehte sie an, endlich auf die Jagd zu gehen und zu trinken. Du bist schwach und leer, flüsterte die Stimme. Ein einziger Mensch, ein einziges Opfer, vielleicht sogar ein Midi mit all seiner Lebenskraft, und es geht dir wieder besser…

Wie so oft schien Devi ihr den Schmerz anzusehen. »Nicht viele hätten das All überleben können. Vielleicht nicht einmal die Anzati von früher. Ich könnte dir jemanden bringen lassen. Du bist hungrig und es ist keine Schande…«

»Nein«, sagte Kali.

»Aber irgendwann musst du trinken.«

»Sehr bald, ja. Aber je früher wir nachgeben, Devi, desto früher kommt der Hunger zurück. Und eines Tages…« Kali sprach nicht zu Ende.

Sie waren die beiden jüngsten von zehn Schwestern – und die letzten. Vielleicht sogar die einzigen Anzati der Galaxis. Das Erbe ihre Volkes hing davon ab, dass sie den Hunger bekämpften, bis zum bitteren Ende.

Kali blickte sich um. Das Personal war aus der Krankenstation geflohen. Keine Zuhörer also. Und die Lebensenergien der Crew nicht schmecken zu müssen, machte es leichter, den Hunger zu ertragen. Nicht viel jedoch. Selbst das Leben der eigenen Schwester begann, wie eine Mahlzeit zu riechen, wenn man seit Wochen hungerte.

Wir sind ein abscheuliches Volk.

»Dreiundzwanzig Tage sind zu lang gewesen«, sagte Kali. »Ich springe nicht aus Vergnügen ins offene All.« Sie setzte die Füße auf den Boden und kämpfte sich vom Bett hoch. »Es sind sehr gefährliche Dinge in Bewegung geraten. Und wir haben dreiundzwanzig Tage verloren.«

»Entschuldige. Schwester.«

Kali hielt sich wacklig auf den Beinen. Sie durfte keine Schwäche mehr zeigen. Sie musste der Crew und den Gardisten glauben machen, dass sie ihre Stärke zurückgewonnen hatte, und das Bild der hilflosen Patientin aus ihren Köpfen löschen. Es würden bereits Märchen die Runde machen, die genauestens schilderten, wie man Lady Siena Kali ihr Schiff gestohlen und sie ins All geworfen hatte.

Und ich muss sogar noch dankbar sein, dass sie die Wahrheit nicht kennen. Kali ballte die Hände zu Fäusten. Bohrte sich die Fingernägel ins Fleisch. Ein Kind. Ein einziges Kind hat all das angerichtet.

Aber nicht irgendeines… Die Nägel stachen tiefer. Der Schmerz übertönte den Hunger und die Angst.

»Wo ist meine Korvette?«

»Sie ist aus dem Splitterwelten-System gesprungen. Wir wissen nicht wohin und wir wissen nicht, wer an Bord war. Die Dauntless war zu weit weg, um den Sprungwinkel zu lesen – ihr Captain hat ausgesagt, dass du ihn fortgeschickt hast.«

»Das habe ich…« Kali schloss die Augen und drückte die blutigen Fingerspitzen gegen ihre Stirn. Der lange Schlaf hatten ihren Verstand gelähmt. Schrecklich langsam tauchten die Bilder aus dem Nebel auf. Nur ein einziger Satz hatte sie durch ihre Alpträume verfolgt: Er lebt.

Altair Valueen lebte. Und Devi durfte es nicht erfahren. Kali vertraute ihrer Schwester, aber nicht bis zum Ende der Galaxis. Nicht mit etwas derart Gewaltigem. Niemand im Zwölferrat würde davon gewusst haben, vielleicht nicht einmal der König selbst, sondern nur…

»Janus. Wo ist Janus?«

»Ebenfalls verschwunden. Wir wissen, dass die Vermillion-Piraten im System waren, dass sie Prinzessin Delfy entführt haben und ihr Schiff gesprengt, kurz nachdem…«

»Vergiss die Prinzessin!«, fiel Kali ihr ins Wort. »Janus ist nicht ins Königreich zurückgekehrt, bist du dir sicher? Weder zur Dauntless, noch zum Sprungschiff? Der Oberste Lord wird seit 23 Tagen vermisst – bist du dir sicher?«

»Ja«, sagte Devi kühl. »Meine Agenten wüssten davon. Warum?«

»Weil ich versucht habe, ihn zu töten. Und er dürfte noch nicht senil genug sein, um einen Anschlag auf sein Leben zu vergessen.«

Endlich huschte ein Hauch von Furcht über Devis Gesicht. »Aber falls er noch lebt, falls er zurückkommt… Dann wird er uns hinrichten lassen!« Sie schüttelte den Kopf. »Warum hast du das getan?«

Vergiss nicht deinen Platz, liebste Schwester.

»Weil er mir die beste Chance in Jahren geboten hat.« Kali eroberte weitere Erinnerungen zurück. »Er ist auf einem der Splitter-Asteroiden herumgeschlichen. Der alte Mann ist allein durch den Dreck gewandert, inmitten von Mördern und Verrückten, weit weg vom Königreich. Ich habe drei Gardisten geschickt. Mehr hätten Aufsehen erregt. Einer hätte genug sein sollen. Keiner hat überlebt, um Bericht zu erstatten.« Kali verschränkte die Arme und beschmierte ihr weißes Krankengewand mit Blut. »Ich habe ihn unterschätzt. Und wenn er noch lebt… Wird er kommen.«

Die Schatten in der Krankenstation schienen zum Leben zu erwachen.

»Licht«, sagte Kali.

Devi betätigte den Knopf. Zwei Leuchtröhren erwachten vorsichtig. Ihre Schwester wollte sie noch immer schonen. Als hätte sie damit nicht schon genug angerichtet.

»Wo sind wir?«, fragte Kali. »Wie weit sind wir von den Splitterwelten entfernt?«

Devi sah zu Boden. »Nicht ganz dreiundzwanzig Tage.«

Kali humpelte durch eine der Türen. Jede Valueen-Korvette der letzten zehn Jahre war nach dem gleichen Prinzip aufgebaut, und jeder Wartebereich besaß ein Panoramafenster in Flugrichtung. Dreiundzwanzig Tage bringen uns bis nach… Kali fand die Antwort, ehe sie das Fenster erreichte.

Hinter ihr erklang Devis Stimme: »Eine Korvette zerstört, eine andere entführt, der Oberste Lord verschollen und die Prinzessin in der Hand der Vermillion-Flotte.« Devi schloss die Tür hinter ihnen. »Ich dachte, der Zwölferrat würde sich versammeln. Und ich dachte, du würdest dabei sein wollen.«

Hinter dem Fenster schimmerte der Azuramond. Die gewaltigste Raumstation ihrer Zeit, überzogen mit einer Milliarde von Lichtern. Jedes einzelne bohrte sich in Kalis Augen und zwang sie, diese zu Schlitzen zu verengen.

Bis vor knapp einem Jahrzehnt hatte die hyperraumfähige Station noch die Königsroute bereist, auf und ab, als eine glitzernde Perle auf der Kette des Valueen Königreiches. Das hatte es Feinden fast unmöglich gemacht, den Mond zu erreichen: Selbst wer auf die gesicherte Königsroute gelangt war, hatte noch immer wissen müssen, an welcher Stelle er den Hyperraum wieder zu verlassen hatte.

Avary Leander hatte es auf die Zehntelsekunde genau gewusst.

Einige behaupteten, das Monster selbst hätte ihm ein Zeichen zugeflüstert. Vermutlich aber hatte er einfach den richtigen Spion am richtigen Ort gehabt. Was es auch gewesen war, die Piraten hatten beim berühmten Zwischenfall den Makro-Droiden des Mondes gestohlen, L1-E12. Ohne dessen Rechenkraft war der Mond abseits aller Welten gestrandet, seit nunmehr neun Jahren, und hatte sich seinerseits in ein System verwandelt.

Kleinere Raumstationen schwebten am Rande seiner Atmosphäre, als die Monde eines Mondes, andere umkreisten ihn in größerem Abstand. Raumstraßen von zivilen Schiffen spannten sich zwischen den Häfen auf der Oberfläche und den zwei riesigen Sprungschiffen. Die Flottenverbände von Lord Nim Pellaeon durchzogen das Mondsystem entlang mehrerer Verteidigungsringe.

Kali legte eine Hand auf die Transparistahl-Scheibe. Dies war ein Ort von Macht. Aber nicht unangreifbar. Es gab nichts in der verblieben Galaxis, das sich nicht zerstören ließ. Nichts, das von Dauer war. Sogar Mutter und Vater waren sterblich gewesen, am Ende. Und zuvor hatten sie den Tod von Sternen gesehen.

Sie drehte sich um.

Devi schien noch kindlicher als vor einem Moment. Draußen führte sie ihre eigene Spezialeinheit von Gardisten an, spionierte die anderen Lords aus und jagte ihre Opfer von System zu System. Aber wenn Janus die Macht des Königreichs auf sie herab hageln ließ, wurde all das bedeutungslos.

»Was«, fragte Kali, »wenn Janus im Geheimen zurückgekehrt ist? Oder eine Botschaft ins Reich geschickt hat, auf welchem Weg auch immer – und dort unten Soldaten auf uns warten?«

»Janus kann nicht beweisen, dass der Mordbefehl von dir kam. Nicht einmal deine Gardisten sind frei von Verrätern.«

Kali wandte sich wieder dem wachsenden Mond zu. »Es konnte damals auch niemand beweisen, dass Hath Usiris den Tod von Allya und Prinz Altair befohlen hat. Das hat den König nicht davon abgehalten, Usiris ins Nichts zu schießen.«

Devis Spiegelbild lächelte. »Wenn das geschieht, finde ich dich. Und sammle dich wieder auf.«

»Wir brauchen mehr Sicherheit. Ich will, dass Du deine Agenten in die Splitterwelten schickst, angefangen auf einem Asteroiden namens Manarai. Sie sollen Janus verschwinden lassen, falls er noch lebt.« Kali zwang sich, ruhig durchzuatmen. »Lady Lemuan hatte dreiundzwanzig Tage Vorsprung. Wenn sie ihn vor uns findet…«

»Es… gibt noch einen anderen Weg«, sagte Devi. »Wir könnten seine Position schwächen. Ich verfolge einige Gerüchte, nach denen Janus im Kontakt zu Avary Leander stand, während der Vermillion-Rebellion. Immerhin waren sie einmal Waffenbrüder, in gewisser Weise…«

Kali seufzte. »Der Zwölferrat würde das mit Haut und Haaren schlucken, weil es ihnen genau so nutzen würde wie mir. Aber am Ende richtet allein der König über den Obersten Lord – und er und Janus kennen sich seit Jahrzehnten. Waffenbrüder, wie Du es nanntest.«

»Aber angenommen, die Gerüchte über Janus’ Verrat sind wahr.« Devi legte den Kopf schief. »Oder ließen sich zumindest beweisen. Selbst der König müsste das akzeptieren und Janus hinrichten lassen.«

»Es wäre eine Absicherung, für den Fall, dass Janus lebend zurückkehrt, ja. Wenn wir diese Beweise hätten. Aber die Angelegenheiten des Obersten Lords sind nicht einmal für Darakaer einsehbar…« Kali blickte sie prüfend an. »Du willst in die königlichen Archive einbrechen.«

»Es wäre nicht das erste Mal.«

»Das macht es nur riskanter.« Doch innerlich hatte Kali schon zugestimmt. Selbst wenn Janus längst tot sein sollte, umgaben ihn noch immer wertvolle Geheimnisse. Darunter der Gefangene im Karbonitblock, an Bord ihres gestohlenen Schiffs…

»Du musst vorsichtiger sein, als je zuvor«, sagte sie. »Diese Archive gehören dem König selbst.«

Devi schloss von hinten die Arme um Kali und schmiegte sich an sie. Kali konnte ihre Lebensenergie schmecken und kämpfte gegen den Hunger. »Der König schert sich nicht um seine Archive. Oder um sonst irgendetwas. Er ist ein uralter Mann, der unten in den Schatten auf seinen Tod wartet. Vielleicht hat er ihn längst gefunden. Du weißt doch, was man sagt: Nicht einmal der größte aller Könige regiert ewig.«

Kali betrachtete ihre Gesichter im Fenster, wie sie dicht an dicht vor dem Azuramond schwebten. Zwei Gespenster des Alls. Nur Kinder in den Augen eines Volkes, das hunderte von Jahren alt werden konnte. Aber sie waren so weit gekommen, seit dem Stillen Schiff.

»Soll ich noch etwas mitbringen?« Devi grinste. »Wo ich schon in den verbotenen Archiven bin?«

»Der Singstahl-Dolch wäre ein Anfang. Falls du zufällig darüber stolperst.«

»Du meinst, falls ich mir Fuß daran aufspieße?« Devi schüttelte den Kopf. »In diesem Fall würde ich ihn behalten. Tradition. Ich hab’ auch diese verfluchte Vibro-Axt noch.«

Kali verzog das Gesicht bei der Erinnerung daran. »Ich glaube, diese eine Waffe würdest du nicht in deiner Sammlung wollen. Vor unserer Zeit, in der Nachtrepublik der Jedi, überreichte man dem Kriegsführer einen Singstahl-Dolch. Wenn er den Krieg gewann, gab er ihn zurück – und wenn er scheiterte, erstach er sich damit selbst.«

»Das«, sagte Devi, »ist eine Tradition auf die wir verzichten können.« Sie legte ihr Kinn auf Kalis Schulter. »Wenn du endlich an Janus’ Stelle trittst, Schwester, ohne diesen schrecklichen Dolch… Als Hand eines greisen Königs… Wirst du die Herrscherin der Kernwelten sein. Und dann gibt es niemanden mehr, der uns angreifen kann.«

Kali konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. In Devis Welt sah alles so einfach aus. Und wenigstens für diesen einen Moment gestattete sie sich, an das Märchen zu glauben.

Auf der von Geschützen überzogenen Mondoberfläche öffnete sich ein mechanisches Augenlid, mehrere Kilometer weit, und gab den Blick auf den königlichen Raumhafen frei. Schlafende Riesen hingen in den Docks: Die Princess Delfy mit ihrer verchromten Außenhülle, daneben das nicht weniger imposante Konsularschiff Corona und Lord Pellaeons gewaltige Moonshadow. Devis Korvette bekam einen Andockplatz neben der Empyrean zugewiesen, dem Flaggschiff von Cerenna Lyr. Kali empfand es als Demütigung, auf dem gewöhnlichen Raumer ihrer Schwester hier eintreffen zu müssen.

Hinter der Andockschleuse fanden die Schwestern keine von Janus’ Königswächtern vor, sondern eine Halle mit vierhundert ihrer eigenen Soldaten. Während Kali die Reihen hinauf schritt, deckte der Garnisonskommandant sie mit Statusberichten und Speichelleckerei ein. Sie hörte kaum hin. Es galt ein Spiel zu gewinnen, bei dem all ihre stationierten Armeen keine Rolle spielten. Noch nicht.

Er ist hier, dachte Kali immerzu. 800 Kilometer unter meinen Füßen, irgendwo in den Tiefen dieses Mondes, lebt Daphan Valueen. Warum kann es jeder hier spüren? Warum macht mir der Gedanke auch nach neun Jahren noch Angst?

In Kalis prunkvollen Hallen und Gemächern angekommen, bereitete Devi ihren Einbruch in die Archive vor. Es würde eine Weile dauern, und auch dann gab es keine Garantie, dass sie die Informationen finden und mit ihnen entkommen konnte. Falls es ihr gelang, würden sie einige Wahrheiten über Janus erfahren – nur ließen sich die verbotenen Daten selbst natürlich nicht als Beweise nutzen. Lediglich als Ausgangspunkt für die eigentliche Jagd.

Janus konnte jeden Tag zurückkehren. Wenn das geschah, musste Kali bereits einen Keil zwischen ihn und den Rest des Königreichs getrieben haben.

Also versammelte sie den Zwölferrat.