TEASER: Symmetry of Shadows


Ich blogge vor allem über das, was entweder neu online ist, oder gerade in Arbeit, deshalb gab’s hier lange nichts Neues zu dieser Geschichte. Aber die Veröffentlichung von ForceShadow 3 rückt durchaus näher – und im aktuellen Update der Banthas findet sich jetzt ein kurzer Ausschnitt aus dem kommenden Hörbuch – dessen Vertonung zu 70% fertig ist.

Die Szene spielt auf dem imperialen Coruscant, 0 VSY, relativ kurz vor dem Fanfilm selbst und damit auch vor A New Hope. Sie ist nicht die erste Szene des Romans, aber sie ist der Startschuss zur eigentlichen Geschichte. Angenommen, das hier wäre Return of the Jedi (es ist nicht Return of the Jedi), dann wäre diese Szene die erste nach Hans Rettung.

Auf banthapoodoo.de gibt’s die Hörprobe – und hier findet sich das Ganze in traditioneller Textform. Viel Spaß!

 

 

 

C O R U S C A N T

Fünf.

Ganz gleich, ob man von oben herab durch die Wolken brach, oder von Westen her den giftigen Nebeln der Hüttenstadt entkam – seinen ersten Blick auf den Senatsbezirk von Imperial City vergaß man nie.

Vier.

Näherte man sich vom Finanzdistrikt aus, überflog man zuerst das Galaktische Opernhaus. Auf der rechten Seite erschien dann eines der Novaplex-Hotels dieses Bereiches, und daneben die gewaltige Republica 500. Über ein Dach, das Planetenfremde oftmals für den Erdboden hielten, verlief der schimmernde Uscru Boulevard, tiefer hinein in den Senatsbezirk.

Drei.

Die Straße mündete in einen der größeren Türme, errichtet in den Klonkriegen, als man immer mehr Institutionen in diesen Bezirk verlegt hatte. Der Turm war das westlichste Gebäude des kilometerlangen Heorem Komplexes und eine der Schnittstellen mit dem Himmelstunnel, durch den in diesem Moment ein Repulsor-Zug jagte, dem Sah‘c-Distrikt entgegen.

Zwei.

Je näher man dem Zentrum des Bezirks kam, desto mehr richteten sich die Linien der Wolkenkratzer auf einen gemeinsamen Punkt aus. Hinter der Senatsplaza begann die Straße der Kerngründer, auf der 30 Meter hohe Statuen jeden Gründer repräsentierten.

Eins.

Zwei Kilometer im Durchmesser und mehrere hundert Meter hoch ragte die Senatsrotunda über der Plaza auf. Die meisten Fenster waren dunkel, nur im unteren Teil des pilzförmigen Gebäudes brannten einige Lichter. Auf dem Dach spiegelte sich das Triebwerksglühen entfernter Raumschiffe.

Null.

Es blitzte. Aus einer der äußeren Partitionen der Dachkuppel schoss eine Flammensäule und fraß sich in einer brennenden Linie hundert Meter weit den Durastahl entlang. Mit einem metallenen Klagelaut löste sich ein vorstehender Teil des Pilzdaches. Trägerbalken brachen hervor und Kabel quollen heraus, spannten sich, und zerrissen mit einem Funkenregen, als ein gewaltiger Bissen des Daches in die Tiefe stürzte, um auf der Straße der Gründer aufzuschlagen.

Eine vermummte Gestalt stürmte aus dem Großen Tor, vorbei an den Eingangssäulen.

Anstelle des Nachthimmels erwartete sie ein Trümmerbrocken, der die Ausmaße einer Schweren Korvette besaß. Dahinter griffen Scheinwerfer nach den Wolken und beschworen einen grellen, künstlichen Tag herauf.

Der Vermummte rannte noch schneller.

Sirenen heulten auf und ein Schwarm TIE-Fighter jagte über die Plaza hinweg, um auf Höhe des Heorem-Komplexes zu wenden. Das Imperium war wach. Wenn es je geschlafen hatte.

Im Laufen warf der Vermummte einen Blick zurück.

Aus dem Eingangstor drängte eine Einheit Sturmtruppen. Zwei Rodianer in langen Gewändern, die sich nach der Explosion nicht vor und nicht zurück gewagt hatten, wurden von den Soldaten angebrüllt und auf die Knie gezwungen.

Nicht stehenbleiben! Der Vermummte ließ die Trümmer hinter sich und eilte hinaus auf die Plaza.

Ein weites Feld. Leer bis auf die Statuen und so voller Licht, dass es nirgends mehr einen Schatten gab. Mit wummernden Motoren schoss ein LAAT-Angriffstransporter über die Köpfe der Gründer hinweg, zündete die Repulsoren und ließ drei Dutzend Sturmtruppen an Seilen hinabgleiten. Vier weitere Soldaten sprangen mit Jetpacks heraus.

Der Vermummte hatte keine Chance. Er hielt an und nahm die Hände hoch.

Die Stiefel der ersten Sturmtruppen berührten den Boden. Die Waffen im Anschlag liefen sie auf ihn zu, wobei die zwei Flanken ausscherten, um ihn in die Zange zu nehmen. Eine elektronische Stimme brüllte, er solle sich identifizieren.

»Ich bin nur ein Schatten«, sagte der Vermummte.

Der Kreis schloss sich und machte ihn zum Ziel etlicher E11-Gewehre. »Name!«, schrie jemand.

»Nokas Mepur. Der letzte der Jedi.«

Dreißig Sturmtruppler hielten in der Bewegung inne. Selbst die vordersten von ihnen waren noch mehrere Meter von Nokas entfernt.

Hinter den Reihen der Soldaten leuchtete das Datapad eines Offiziers auf. Das Licht verriet die graue Haut dieses Mannes und offenbarte zwei Öffnungen an den Wangen. Ein Angehöriger der Anzati-Spezies. Ein Gedankenfresser. Hier, im Imperium…

Seelenruhig gab der Offizier den Namen ein.

Fünf.

Ein Soldat machte einen Schritt vor, das E11 weiter auf Nokas‘ Kopf gerichtet. Die Schulterplatten des Mannes wiesen ihn als Lieutenant aus. »Kali«, rief er. »Bestätigen Sie!«

»Es ist eine Lüge«, raunte der Anzat. »Das ist der Name eines Toten.«

Vier.

Die Soldaten wichen zurück. Allein der Lieutenant schnellte vor und presste Nokas die Mündung gegen die Brust. »Der Weiße Schatten, also? Der Terrorist, der die toten Verräter rächen will, einen Namen nach dem anderen…«

Drei.

»Drück ab«, sagte Nokas. »Mach die Augen zu, drück ab und bete, dass ich nicht mehr da bin, wenn du sie wieder aufmachst.«

Zwei.

»Warum wollt Ihr, dass ich schieße?«, brachte der Lieutenant hervor.

Eins.

Der Angesprochene legte den Kopf schief. »Weil ich ein Droide bin und den Bauch voller Ionengranaten habe.« Mit diesen Worten schlug er gegen die Waffe des Sturmtrupplers.

Ein Schuss löste sich.

Null.

Der Rumpf des Droiden zersplitterte und wandelte sich zu einer blauen Lichtkugel. Die Kugel gewann an Größe, mit Blitzen, die sie wie Kometen umkreisten. Der Lieutenant war bereits fort, als die Kugel innehielt und zerplatzte. Die Wucht der Explosion schleuderte die Sturmtruppen mehrere Meter über die Plaza. Das Datapad des Offiziers brannte durch. Einer der Kettenblitze griff nach dem LAAT-Transporter, der daraufhin in Schräglage geriet und an Höhe verlor.

Jetzt.

Nokas Mepur befestigte sein Elektrofernglas am Gürtel, sprang aus seinem Versteck, warf sich auf die Senatswache und schlug den behelmten Kopf des Mannes gegen die verkohlte Korridorwand.

Unten auf der Plaza hatte das LAAT eine Notlandung hingelegt und dabei eine der Gründerstatuen vom Sockel gerissen. Ihre Trümmer lagen neben der brennenden Schleifspur des Transporters.

Sie würden nicht lange gelähmt sein und in einer Minute würde es von Verstärkung nur so wimmeln. Nokas rannte los. Er machte einen Satz über das Loch im Boden des Korridors und tauchte unter einem Stahlträger hinweg. Von der anderen Seite kletterte er auf den Träger, packte den Griff einer Dachluke und schwang sich hindurch.

TIE-Fighter donnerten so dicht über das Pilzdach des Senats hinweg, dass der Luftstoß Nokas fast umgerissen hätte.

Er ging auf die Knie und hielt sich am Sicherheitsgitter der Luke fest. Hatte er dieses Mal zu viel riskiert? Was, wenn er diesen Ort nicht lebend verließ?

Zwei Jetpack-Soldaten tauchten über dem Rand des Senatsdaches auf. Der linke von ihnen richtete einen Scheinwerfer auf die Bruchstelle des Daches. Der andere schulterte einen Plex-Raketenwerfer.

Nokas konnte nicht warten. Und die der Gründerstraße abgewandte Seite des Daches, für die er eigentlich geplant hatte, war keine Option mehr.

Ein Knall zerriss die Luft.

Sithspucke! Nokas setzte aus der Hocke zu einem Sprung an und sendete mittels der Macht einen Luftstoß aus. Er kam unsanft auf dem Boden auf.

Keine fünf Meter von ihm entfernt traf die Rakete das Senatsdach in einem flachen Winkel und riss etliche Dachplatten heraus, ehe sie explodierte.

Nokas rannte wieder los, so schnell er konnte. Den tatsächlichen Rand des Daches konnte er nicht erreichen, aber wenn er es bis zu der Stelle schaffte, von der er einen Großteil abgesprengt hatte…

Ein weiterer Schuss.

Im Laufen sah Nokas nach links.

Das Licht des Scheinwerfers nahm ihm die Sicht.

Nokas schloss die Augen und hob die Hände. Wenn er jetzt stolperte, war es aus. In der Macht erfasste er die Rakete und vor Anstrengung entfuhr ihm ein Schrei.

Das Geschoss glitt über ihn hinweg.

Er hätte es umlenken können. Nokas sah wieder nach vorn. Er hätte es auf die zwei Sturmtruppler zurückwerfen müssen. Für die winzige Chance, dass niemand hier sterben musste, hatte er sich in noch größere Gefahr gebracht als ohnehin schon.

Hinter der Bruchlinie erschien der LAAT. Seine Unterseite war verbrannt und halb zerstört, aber die Repulsoren hatten ihn wieder in die Luft gehoben.

Nokas blieb das Herz stehen. Es war aus.

Der Angriffstransporter eröffnete aus dem linken Punktstrahl-Laser das Feuer und schnitt ein paar Meter von Nokas entfernt das Dach auf.

Vielleicht gab es noch eine Chance. Nokas rannte weiter, genau auf das Fahrzeug zu. Der Absturz hatte den rechten Laser beschädigt. Wenn er schnell genug war und die Kante des Daches erreichte, ehe der LAAT sich weit genug gedreht hatte…

In der Ferne löste sich ein Schuss des Raketenwerfers.

Noch im Laufen duckte sich Nokas.

Die Rakete traf auf den Laserstrahl des LAAT und zerplatzte. Die Druckwelle schleuderte Nokas nach vorn, weit über die Kante des Daches hinaus.

Nur knapp erwischten seine Hände eines der Kabel, die wie Gedärme aus dem Dach hingen. Er rutschte einige Meter daran hinab und schrie vor Schmerz, dann hatte er Halt.

Über ihm donnerten die Repulsoren des Angriffstransporters, deren Kraftfelder die Kabel wie wütende Peitschen umherzucken ließen. Dann mischte sich ins Lärmen der Antriebe ein vertrauter Signalton.

Die Hände weiterhin um das Kabel gekrallt, schaute Nokas auf die blinkende Diode an seinem Armband. Oh, war sein einziger Gedanke. Das wird eng.

Der LAAT verlor an Höhe und drehte sich im Sinkflug, um Nokas wieder in die Reichweite des Lasers zu bringen. Dem Blinken der Diode nach musste Nokas noch zwei Sekunden hängen bleiben. Der Laser würde ihn in einer Sekunde gegrillt haben.

Mist, dachte Nokas. Und ließ das Kabel los.

Das Geräusch der Repulsoren wich dem Rauschen des freien Falls.

Galve, es tut mir Leid.

Der Trümmerberg und die Plaza jagten ihm entgegen.

Der Aufprall würde ihn zerschmettern.

Zwanzig Meter.

Mit einem Schrei riss Nokas den Arm hoch.

Zehn Meter.

Kreischend zerplatzte die Diode. Ein Energiestrahl schoss aus dem Armband, hinauf in den Nachthimmel – und verschwand in der Unterseite eines Luftgleiters.

Nokas‘ Sturz endete ruckartig, als ihn der Traktorstrahl des Gleiters nach vorne riss, weg vom Senat, und dann aufwärts.

»Na, das war ja was«, keuchte er, bevor ihn die Erkenntnis überwältigte, tatsächlich überlebt zu haben.

Der Strahl verkürzte sich wie ein Schleppkabel. Als der Gleiter den Luftraum über der Gründerstraße verlassen hatte, hing Nokas bereits an der Unterseite. Zwei Platten schoben sich beiseite und der Energiestrahl zog ihn hoch bis unter den Emitter selbst, ins Cockpit des Fahrzeuges.

Nokas kam schwer atmend auf dem Boden auf. Er zitterte vor Kälte. »Gute Arbeit. Keinen Moment zu spät.«

Die Pilotin des Gleiters warf ihm über die Schulter einen eiskalten Blick zu. »Ich hätte Euch fallen lassen sollen«, sagte Mon Mothma. »Ihr macht Euch keine Vorstellungen, was Ihr da angerichtet habt.«

Nokas zog sich an der Lehne des Co-Piloten-Sitzes hoch. »Okay, ich… Hätte Euch einweihen sollen.«

Hinter dem Transparistahlfenster ging das Dach eines der Wolkenkratzer in Flammen auf. Mothma zog den Gleiter nach links.

»Ihre Leute?«, fragte Nokas und klammerte sich an die Lehne, um nicht gegen die Wand geschleudert zu werden. »Haben Sie das getan?«

TIE-Fighter stießen aus den Wolken herab. Mothma reagierte, indem sie in den Sinkflug überging. Eine Straße kam in Sicht, auf der ein Schusswechsel stattfand.

Ein Aufruhr? Im nächsten Moment blieb Nokas das Herz stehen.

»Das hier waren nicht die Rebellen.« Mothmas Stimme bebte. »Sondern Ihr.«

 

 

 

Jup. Das wäre also die „erste“ Szene. Ich hab sie vor etwa drei Jahren geschrieben – sehr cool und leicht surreal also, dass sie jetzt mal jemand zu lesen bekommt. Obwohl sie außerhalb des eigentlichen Romans natürlich nur bedingt viel erreichen und aussagen kann.

Aber es beginnt eben alles mit der Sprengung des Senats und… eskaliert von hier aus.