Warum ForceShadow 3 so lange gebraucht hat


Symmetry of Shadows | Meistens, wenn ich auf dem Blog über Symmetry of Shadows gesprochen habe, bestanden meine Updates aus nicht viel mehr als ein paar farbigen Metaphern. Für alle Hartgesottenen, die sich für den „Schreibprozess“ hinter ForceShadow interessieren, will ich hier zumindest ein bisschen was dazu sagen. [Leichte Spoiler für FS1 und FS2, natürlich nicht für FS3]

Zur Sicherheit nochmal der Stand der Dinge: Die Story ist fertig geschrieben, seit Mai dieses Jahres. Wir nehmen weiterhin kleinere Korrekturen für die PDF-Fassung vor, während die Banthas an der Vertonung und der Musik arbeiten. Updates hierzu gibt es direkt an der Quelle, auf banthapoodoo.de. Alle drei Teile werden nacheinander als Hörbuch und PDF online gehen. Soweit ich weiß. Tötet nicht den Boten.

Nachdem ich jetzt etabliert hätte, dass zwischen mir und der Geschichte schon einige Monate liegen, Jahre im Fall mancher Szenen, wird der folgende Text vermutlich durchblicken lassen, dass ich die Erfahrung immer noch nicht so ganz überwunden habe. Ich entschuldige mich im Voraus für jegliches Jammern.

Also denn!

1. Raus aus der Sarlacc-Grube

Zuallererst: Ich hatte weder eine Schreibblockade, noch ernsthafte gesundheitliche Probleme, noch eine Speicherlöschung. Oder irgendetwas, das auf kunstvolle Art davon ablenken könnte, dass ich lange Zeit ganz einfach überfragt war. Ich habe noch bei keiner Geschichte in solchen Schwierigkeiten gesteckt.

Um diesen Abgrund zu verstehen, muss man wissen, wie ich ihn mir eigenhändig geschaufelt habe.

Ganz am Anfang, als wir beschlossen haben, dass die Vorgeschichte zu DoO66 sich wegen ihren Zeitsprüngen am einfachsten als Trilogie erzählen lässt, gab es einen groben Plan für alle drei Teile. Diesem folgend habe ich Chasing the Light geschrieben, wobei ich von dessen drei Handlungssträngen nur den von Nilas wirklich neu bauen musste – was Vader tut, wird viel durch den Kanon gesteuert, und die Nokas-Tio-Storyline wurde durch den Film schon im Detail festgelegt.

Als Ergebnis ist Chasing the Light keine wirkliche Geschichte, sondern besteht aus drei Geschichten, die unabhängig von einander zu ihrem Ende durchlaufen, mit der Order 66 als verbindendem Ereignis. Das ist keine Katastrophe in Sachen Struktur, viele Geschichten lassen ihre Storylines erst mit der Zeit zusammenfließen, aber bevor das passiert, sieht alles wie eine bloße Abfolge von Ereignissen aus, die zufällig zur gleichen Zeit passieren.

Und so weit ist das nicht von der Wahrheit weg: Wenn man einen Film schreibt, also DoO66, achtet man vermutlich kaum darauf, dass die vorangehende Handlung sich mit einem einzigen Handgriff in drei eigenständige, funktierende Geschichten verwandeln lässt. (Außer man ist George Lucas. Okay.) Damit aus einer Vor-Handlung eine Vor-Geschichte wird, muss unter Umständen sehr viel neues Material geschaffen werden.

Nun … Die Umstände wurden ihrem Namen gerecht.

Meinen Plan für Breathing in the Dark, der durch das Basteln an Chasing sowieso ein wenig veraltet war, habe ich stark umgebaut, um dem zweiten Teil ein Finale mit allen Handlungssträngen zu geben (die Kamino-Schlacht) und ForceShadow als Gesamtwerk einen Arc, der sich am Ende auflösen lässt (Thrawn und den Machtschatten-Effekt). In Anlehnung an Empire strikes back ließ ich außerdem Nokas‘ Sohn entführen und in Jabbas Gewalt bringen, weil ich dachte, »Hey, das gibt FS3 eine Eröffnung im RotJ-Stil!«. Dass eine Rettungsaktion, die kein Teil der eigentlichen Geschichte ist, schon bei RotJ strukturelles Problem ergibt, habe ich in meinem Wahnsinn ignoriert. Ganz zu schweigen vom Nilas-Cliffhanger und der nur angedeuteten Reithi-Adamant-Szene mit Nokas und Thrawn, die ebenfalls beide eine Auflösung forderten.

Aber ich wollte, dass Breathing funktioniert. Und wie man so sagt: It seemed like a good idea at the time.

Ungefähr in dieser Zeit, oder vielleicht etwas danach, hat sich auch der Fanfilm selbst verändert. DoO66 hat auf neue Möglichkeiten und Ideen reagiert, phrasenhaft formuliert, und hat außerdem Dinge aus ForceShadow aufgegriffen.



2. Rein in den Karbonit-Kälteschlaf

Als ich mich also an den dritten Teil gemacht habe, hatten Start- und Endpunkt dieser Geschichte sich deutlich verändert. Den Plot aus der Zeit vor Chasing konnte ich eigentlich vergessen, und auch der Plan, den ich während Breathing nebenbei so ein wenig entwickelt hatte, wurde nicht ansatzweise den Aufgaben gerecht, die (das damalige) »Leaving for the Dawn« zu erfüllen hatte.

Der dritte Teil hatte den Cliffhanger aus Breathing angemessen aufzulösen, mehrere Storylines für Descendants of Order 66 vorzubereiten und ganz nebenbei eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die sich lesen würde wie ein Finale, obwohl sie in vieler Hinsicht keines ist; die spannend sein würde, obwohl man einen Teil vom Ende bereits kennt; und die etwas Interessantes über über ihr Thema erzählen würde, obwohl wir Jedi gegen Sith und Rebellion gegen Imperium schon tausendmal gesehen haben.

Zu dem, was die Geschichte leisten musste, um überhaupt zu existieren, kam eine ungesunde Zahl an Bonus-Zielen hinzu: Weil meine nächste Star Wars Reihe, Cloudrun, in der entfernten Zukunft spielt, war das hier meine vorerst letzte Chance etwas mit Darth Vader, verfolgten Jedi, Jabba the Hutt, mehreren Filmwelten und dem Galaktischen Bürgerkrieg anzustellen. Und eine Geschichte für ein professionell umgesetztes Hörbuch zu schreiben. Überhaupt ist das hier mein Abschied von ForceShadow und – wenn wir realistisch sind – das letzte, was die meisten je von mir lesen/hören werden. Ich hatte also ein gewisses, kindisches Eigeninteresse daran, halbwegs was Vernünftiges abzuliefern. Sprich: Entweder den besten der drei Teile – oder gar nichts.

Eineinhalb Jahre lang standen die Zeichen auf »gar nichts«. Wie ich oben sagte: Ich hab‘ noch nie in solchen Schwierigkeiten gesteckt.

Ich kam voran, aber nur sehr langsam, zwei Schritte vor und einen zurück. In schlimmeren Monaten umgekehrt. Ich hab‘ eine frühe Version in Drehbuch-Form getippt, sehr knapp, aber sie erfüllte die aller-aller-nötigsten Ansprüche. Ich glaube, die Banthas hatten im SWU-Forum damals geschrieben, der dritte Teil sei zu 70% fertig – was sich auf eben diese Version bezog und technisch absolut richtig war. Nur dass die Version wirklich nur einen Bruchteil von dem gepackt hat, was FS3 sein musste.

Ich hab mich dann in eine Höhle in den Bergen zurückgezogen und bin vielleicht ein halbes Jahr lang durch alle möglichen Theorien zum Geschichtenerzählen gegangen, die ich aus Büchern und Interviews gesaugt hatte. Ein weiterer Grund für mein selbstgewähltes Exil war die Tatsache, dass ich mich mit Star Wars komplett zerstritten hatte, und fast nichts mochte, das in dieser Zeit von offizieller Seite kam. Während ich also alle möglichen technischen Probleme zu lösen hatte, musste ich es außerdem noch schaffen, mich wieder für Star Wars zu begeistern – denn sonst hätte ich FS3 wirklich vergessen können.

Wirklich zurückgekommen ist die SW-Begeisterung erst beim Schreiben. Davor, in der neuen Planungsphase, gab es zwei andere Filme, denen ich am ehesten nacheifern wollte: zum einen Serenity, und zum anderen The Dark Knight. Der erste Film ist eine Verfolgungsjagd, ein Kriegsveteran und seine Crew auf der Flucht vor quasi absolut allem, von Planet zu Planet und immer weiter ins All hinaus. The Dark Knight ist im Kern ein Duell und eine thematische Diskussion zwischen zwei Männern, mit einer Stadt als Schlacht- und Spielfeld.

Ich hab beide Konzepte verbunden und aus dieser Perspektive hab ich dann wieder auf Star Wars geschaut, insbesondere Return of the Jedi und Revenge of the Sith, und natürlich Matthew Stovers Romanadaption von letzterem Film. Irgendwann hatte ich dann plötzlich verstanden, wovon die Geschichte handeln muss, was ihre Themen und Charaktere angeht. Ah… Und ich hab sie Symmetry of Shadows genannt.

Ich fand‘s aus diveren Gründen passend. (Einer davon wäre, dass es sich zu SOS abkürzt, was meine Situation ganz gut zusammenfasste.)

Vollständig aufgedeckt wird das Konzept hinter Symmetry erst in der letzten Szene, deshalb will ich hier nicht so viel dazu sagen, welchen »Kern« ich der Geschichte am Ende gegeben habe. Der Punkt ist, dass sie jetzt einen hatte, und ich meine Unzahl an Plot-Entwürfen auseinander nehmen und um diesen Kern herum neu aufbauen konnte. Anstatt in meinem bisherigen Plot-Konstrukt einen Kern zu suchen, der vielleicht nicht einmal da war.

Das war nicht das Ende der Schwierigkeiten. Aber alle, die jetzt noch kamen, waren mehr Probleme des »Wann?« und »Wie?« und weniger des »Was?«.



3. Raus aus dem Karbonit, rein in den Müllschacht

Normalerweise, wenn ich schreibe, plane ich vor allem den Plot. Den Hintergrund und die Geheimnisse halte ich zwar parat, die Charaktere entwerfe ich und ich mache mir grobe Gedanken über die Themen … Aber ab dann schaue ich einfach, wie‘s kommt. Und wenn ein Charakter an einem bestimmten Punkt im Plot von seiner Entwicklung her nicht mehr das tun würde, was er eigentlich tun sollte, dann ändere ich eben den Plot. Entweder vor diesem Punkt, damit er den Charakter verändert, oder nach diesem Punkt, wo er auf die Entscheidung des Charakters reagiert.

So läuft das normalerweise. (Ich glaube, das ist der klassische Prozess bei Leuten, die zu vorsichtig zum Drauflos-Schreiben sind, aber nicht ganz clever genug, um fehlerfrei vorauszuplanen.)

Im Fall von Symmetry fiel ein Großteil dieses Spielraums komplett weg. Sobald ich endlich einen Plot hatte, der passte, durfte ich nicht mehr abweichen. Das heißt, ich konnte mir bei den Charakteren nicht erlauben, einfach »zu schauen, wie‘s kommt«, sondern musste sicherstellen, dass sie an bestimmten Punkten bestimmte Dinge wissen und bestimmte Ängste und Ansichten und Was-auch-immer haben, um bestimmte Entscheidungen zu treffen. Das wiederum gibt ihnen bestimmte Informationen und stellt sie vor Fragen zu einem bestimmten Thema, von denen ausgehend sie dann ihre nächste Entscheidung fällen und alles von vorn beginnen lassen.

Diesen Prozess so aussehen zu lassen, als wäre er nicht konstruiert – das ist schon verflixt schwer. Aber den Prozess auch noch zu lenken, hin zum Anfangspunkt des Films, als wäre das sein einziges denkbares Ziel – das hat sehr viel Trial & Error erfordert. Puzzleteil bauen, passt nicht, neues Teil, passt nicht, die letzten zehn Teile wegnehmen, neue Teile bauen, diesmal passen elf, aber das zwölfte passt wieder nicht …

Das ist kein Prozess ohne Erfolgserlebnisse und somit unterhaltsamer, als es sich anhört. Aber man fühlt sich dabei, als würde man weder Intuition noch Talent noch Glück besitzen, und hätte jedes passende Puzzleteil nur einer Unmenge an Zeit, Geduld und Kaffee zu verdanken.

Und ich glaube, das war eine überfällige Erfahrung für mich. Alles, was ich bisher kannte, war: Lust auf Schreiben haben. Sich hochmotiviert vor den Rechner setzen. Unwahrscheinliches Glück haben. Brauchbaren Kram zustande bringen. Sich selbst auf die Schulter klopfen. 

Symmetry of Shadows: Irgendwo anders sein wollen. Irgendwo anders sein dürfen. Sich trotzdem vor den Rechner setzen. Schreiben. Eventuell komplett für den Papierkorb. Einen Abend lang nur Müll fabrizieren. Und sich am Ende trotzdem auf die Schulter klopfen.

Es stellen sich für einen Außenstehenden vermutlich zwei Fragen: a) Ist das nicht bescheuert, vor allem als Hobby? b) Ist das Ergebnis nicht automatisch eine schreckliche Geschichte?

a) Nein. Jedes Hobby braucht Zeit und ist irgendwo fordernd. (Bis auf Baumstamm-Werfen. Reine Techniksache.)

b) Nein. Das Ergebnis ist ein gelöstes Puzzle. Dass es schwierig war, wird man ihm hoffentlich nicht ansehen. (Außer man schreibt einen weinerlichen Blog-Eintrag darüber. Aber wie wahrscheinlich ist das?)

Was man dem Puzzle – der Geschichte – definitiv ansieht, ist ihre Länge. Sie ist zwar nicht so lang wie andere Fanfictions von mir (Istari kommt momentan knapp auf das Fünffache), aber die werden auch nicht ungekürzt vertont. Und wer die Hörbücher von Teil 1 und 2 kennt, weiß, dass die Banthas jede Szene mehr »adaptieren« als lediglich vorlesen – und diesmal kommt noch eigene Musik dazu. Ah … Ziemlich viel Trubel also um die Geschichte.

Wird sich die Wartezeit lohnen?

Ich hab ein schlechtes Gefühl dabei, über den Aufwand zu schreiben, der hinter Symmetry steckt, weil das nach »Seht mein Werk und erzittert«-Schwachsinn klingt. Soll es nicht. Texte wie dieser handeln nur von mir und der Geschichte, nicht von der Geschichte und anderen Geschichten. Ich schreibe das hier, um zu erklären, warum die Sache so lange gedauert hat – nicht um irgendwelche Erwartungen zu erzeugen. Zumal ich nichts so sehr hasse, wie einen Leser zu enttäuschen. Weshalb ich auf dem Blog prinzipiell am Tiefstapeln bin und es vermeide, für meine Sachen wirklich Werbung zu machen.

Nachdem all diese Dinge gesagt wären: Wird sich die Wartezeit lohnen?

Jap.

So. Das muss genügen als Werbung. Und jetzt uns allen einen fröhlichen Sonntag!